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Unsere Götzen

Die meisten werden den Begriff „Götze“ mit einer Statue verbinden und damit als historisches und nicht mehr relevantes Thema abtuen. Götzenanbetung wird dann gleich in die alttestamentliche biblische Ecke geschoben und betrifft uns daher heute eh nicht mehr.

Denken wir – aber falsch gedacht.
Warum? Das möchte ich Euch an meinem persönlichen Beispiel darstellen, und vielleicht einen Denkanstoß geben.

Bis zu meinem 15. Lebensjahr war meine Kindheit normal, unspektakulär und auch ein wenig langweilig. Mein tägliches Highlight versuchte ich im Fernsehprogramm zu finden. Dann habe ich zum Geburtstag einen Windsurfkurs geschenkt bekommen. Vier Wochen später kam die Lieferung mit meinem ersten Surfboard, ich erinnere mich noch heute daran. Von da an durften meine Eltern mich jeden Sonntag zum nächst gelegenen See kutschieren. Bald fand ich im Bekanntenkreis einen älteren gleichgesinnten, der bei einem Motorradunfall gerade noch mit dem Leben davon gekommen war und einen anderen Kick brauchte. Jetzt trieb es uns einmal pro Monat für ein Wochenende an die Nordsee. Dort waren viele Surfer und viele waren besser ausgestattet und so brauchte ich bald ein neues Surfboard, welches geeigneter für die Welle und den Starkwind war. Es folgten weitere Boards und Segel und sonstiges „Equipment“. Mein Leben war nun nicht mehr unspektakulär und langweilig, meinte ich. Auch den letzten Evolutionssprung beim Windsurfen, das Kitesurfen, machte ich mit. Für die windarmen und Winterzeiten beschäftigte ich mich mit Mountainbiken und Snowboarden, somit waren auch diese Zeiten gefüllt. Ich investierte viele Tausend Euro und viel Zeit. 30 Jahre lang gab es kaum einen Urlaubstag, den ich nicht dafür „opferte“. Zwei Monate unterwegs zu sein war mein Minimium, was ich akribisch plante und sicherstellte. Nachdem sich meine Eltern praktischer Weise entschlossen hatten, ein Wohnmobil zu kaufen, hatte ich sogar mein Zuhause dabei. So habe ich die meisten Surfspots in Europa und viele Skigebiete in den Alpen gesehen. Die Familie durfte selbstverständlich immer mit und wenn möglich auch mitmachen. Viele Fotos gab es zu zeigen und Geschichten zu erzählen. Wenn ich mich nicht am Reisen und Fun-Sport „ergötzt“ habe, arbeitete ich.

Gutes richtiges Leben, oder? Gut ja, aber nicht richtig!
Und gut alleine reicht nicht für ein erfülltes Leben 🙁
Denn eine erlebnisreiche Zeit ist noch lange keine richtig erfüllte Zeit, denn mit dem aktuellen Erlebnis dominiert schnell nur noch die Sucht nach mehr und so eifern wir unser Leben lang dem Mehr hinterher, erreichen aber nichts anderes als wir schon haben.
Was am Ende bleibt sind viele Fotos, viele Geschichten, viel vergeudete Zeit und Geld, und zum Schluss Leere.

Was fehlt? – Vielleicht Werte?
Fun-Sport ist nur ein / mein Beispiel für eine Götze, derer gibt es viele in unserer Wohlstandsgesellschaft.

Was ist Deine Götze?

Und was ist die Alternative zum Götzendienst?
Dazu mehr im nächsten Beitrag…

Published inAllgemein